Vor einigen Wochen postete ich einen Beitrag über einen gewöhnlichen Abend im Juni und einem beginnenden Gewitter. Ich schrieb, von hastig nach unten fallenden Regentropfen und der Inspiration, die sie in mir auslösten.
Ganz anders ist der Juliregen. Müsste ich ihn mit einem Wort beschreiben, würde ich ihn Sehnsucht nennen.
Ich war gerade in der trockenen, beinahe wüstenartigen Landschaft in Zentralanatolien, in der Nähe des Salzsees, irgendwo zwischen Ankara und Konya. Ohne das Zutun der Menschen, wächst hier in den Sommermonaten kaum etwas. Mariendistel und Kakteenarten herrschen hier vor, denn nichts Anderes kann in der trockenen Landschaft wachsen.
Es war ein Mittwochnachmittag Mitte Juli, und der Himmel etwas bewölkt. Insgesamt, fühlte es sich etwas kühler an als sonst. Vermutlich waren es irgendwo zwischen 31 und 34 Grad Celsius.
Für gewöhnlich sind die Winde hier warm und alles, was draußen ist, und nicht unter dem Schatten eines Baumes oder Gebäudes steht, wird von der Sonne vielmehr verbrannt als seichte erhitzt. Auch die Lebewesen, von der Ameise, bis hin zum Vogel, suchen die Kühle eines Schattens auf und wandern mit diesem.
Dass es regnen wird, nein, damit rechnete an diesem Tag wohl niemand. Und doch zogen hoch am Himmel immer mehr Wolken auf, und die ersten Tropfen fielen auf einmal zu Boden.
Da stellt man sich die Frage, wer eher nachgibt? Der ausgetrocknete Boden, oder die schwachen Wolken, die von schnellen Winden getragen werden?
Die größeren und kleineren Tiere freuten sich auf das Spektakel. Ich hatte anfangs von all dem nicht viel mitbekommen, weil ich zu sehr mit mir und den anderen Familienmitgliedern beschäftigt war.
Dann, als ich den Geruch der ersten lauwarmen Regen auf der immer noch warmen, trockenen Erde wahrnahm, wurde mir ganz anders ums Herz. Ein schönes, eher ruhiges Gewitter zog über die Landschaft.
Und noch bevor es richtig begann, ging ich raus in den Garten und genoss den beginnenden Regen. Ich breitete die Arme aus, und ließ die Regentropfen auf meine Haut, meine Haare und meine Kleidung fallen.
Es fühlte sich wunderschön an, und zusammen mit dem Geruch, der in der Luft lag, war es ein Fest für alle Sinne. Ich spreizte die Arme von meinem Körper weg, atmete tief ein und umarmte den Regen, die Luft, das Leben.
Etwas später nahm ich wieder die Umgebung wahr – bis auf mir waren alle drinnen im Haus. Nach dieser kleinen Abkühlung ging ich wieder rein, und hörte den Regen plätschern…
Anders als der Juniregen, ist der Juliregen weniger hastig. Keine Tropfen, die mit einer Wucht auf einen prallen, eher ein leichtes Berühren der Haut. Kein Aneinanderreiben von extrem aufgeladenen Atomen hoch über den Wolken.
Nein, das hier ist vielmehr das sanfte Zusammenkommen von Elementen. Die Erde ruft, und die Wolken und die Regentropfen halten es nicht aus, hoch oben über ihr fortzuziehen. Die Tropfen lassen sich fallen, einzeln, beinahe tanzend wie ein Blatt, dass im Herbst von einem Baum fällt.
Juliregen ist wie…
… Sehnsucht, weil die von der Sonne ins unendliche getrocknete Erde nach Regen ruft.
… Sehnsucht, weil alle Tiere, die Schutz im Schatten suchen, nach Abkühlung rufen.
… Sehnsucht… von Wolken, Regen, Erde und der Luft dazwischen.
Und mit dem ersten lauwarmen Tropfen auf dem heißen Boden, beginnt die sachte Verbindung der Atome. Die Elemente sehnen sich nach Berührung und dann passiert es – der Juliregen fügt zusammen…
Was verbindest Du mit dem Juliregen, und mit welchem Wort würdest Du ihn beschreiben?
Übrigens… in Deutschland hatte es während der Zeit meines Urlaubes fast durchgehend geregnet. Das war dann wohl zu viel der Sehnsuchst 🙂
PINAR

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