Die Berechnung des Zufalls – oder – nichts passiert rein zufällig

„Je planmäßiger der Mensch vorgeht, um so wirkungsvoller trifft ihn der Zufall.“ Friedrich Dürrenmatt

Carlos Ruiz Zafón: „Ich glaube, nichts geschieht aus Zufall. Im Grunde hat alles seinen geheimen Plan, auch wenn wir ihn nicht verstehen.“ – aus Der Schatten des Windes.

Und auch Einstein machte sich so seine Gedanken und beschrieb den Zufall als „…Gottes Art, anonym zu bleiben“ oder auch als „das, wobei unsere Berechnungen versagen“.

Da der Zufall manchmal mehr oder weniger unerklärlich ist, haben sich auch viele Mahtematiker:innen, Pyhsiker:innen und Geisteswissenschaftler:innen und natürlich ganz viele Schriftsteller:innen und Hobbyphilosoph:innen hierüber Gedanken gemacht.

Sicher kann man anhand von Formeln aus der höheren Mathematik und Physik Berechnungen über die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses machen. Die erste Lektion, die wir in der Schule in Stochastik hatten, war die Berechnung eines Lottogewinns. Wer Zeit und Muse hat, kann sich die Wahrscheinlichkeit ausrechnen.

Aber dennoch stellen sich die meisten Menschen sicher die Frage, ob man denn wirklich alles berechnen kann, insbesondere, wenn es um das Zusammentreffen zweier Menschen betrifft. Gerade wenn man bedenkt, wie unberechenbar das Handeln eines Menschen ist, der auf einen anderen Menschen trifft, dessen Handeln ja ebenfalls unberechenbar ist.

Rechte, statt linke Abzweigung, fünf Minuten länger schlafen oder den Bus verpassen. Dann trifft man eventuell einen Menschen, den man lange nicht gesehen hat, irgendwo in der Fußgängerzone einer Millionenstadt.

Die Frage, die wir uns dann immer stellen ist: „Was für ein Zufall war das denn!!!???“ und nicht, wie hoch ist die mathematische Wahrscheinlichkeit.

Denn Ereignisse und Menschen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, geraten aus unerklärlichen Gründen aneinander. Und manchen Zufällen sind wir uns manchmal gar nicht bewusst.

Es folgt… ein selten lustiger Fall von Zufall, oder nennen wir es Fügung?! 😊

Vor einigen Wochen hat der Thalia in der Augsburger Innenstadt viele Bücher mit einem Mangel aussortiert, und günstig verkauft. Auf einem meiner Spaziergänge durch die Stadt wurde ich auf die Bücher aufmerksam und habe mir gleich eins geholt. „Senor Herreras blühende Intuition“ von Linus Reichlin, hatte ein schönes Cover, und mich daher sofort angesprochen. Das Buch landete aber erst mal im Bücherregal bei allen anderen, die ich noch zu lesen habe.

Für einen kurzen Seminaraufenthalt in Mitteldeutschlang packte ich mir das Buch ein, und begann bald darin zu lesen. Nach wenigen Seiten musste ich bei fast jeder Seite schmunzeln und teilweise laut lachen. Wie konnte ein Buch so amüsant sein…

Heute beim Mittagessen wurde mir dann klar, dass das Buch nicht einfach so in meine Hände gewandert oder gar geraten ist. Nein, natürlich steckt ein viel tieferer Sinn dahinter!

Die ICH-Person des Buches ist ein Autor aus Deutschland, der ein Romankonzept im Kopf hat, und wegen seines zu hohen Herzschlags beschließt, für einige Wochen in ein Kloster in Spanien zu ziehen. Das Kloster liegt hoch über einem Berg, und dort lernt er den Koch, einen ehemaligen Matador kennen. Die Mahlzeiten sind dermaßen schlecht, dass er diese im Brunnen versenkt und hin und wieder in das Dorf am Fuße des Berges geht, um dort noch schlechtere Speisen zu essen.

Die ICH-Person erzählt dem Matador von seinem Buchprojekt und, dass darin eine Nonne vorkommt, die keine Nonne ist, sondern vor der Mafia flieht. Es stellt sich heraus, dass vor einiger Zeit in das reale Kloster auch eine junge Nonne eingezogen ist, und diese sich nicht verhält wie eine Nonne. Es folgt eine Aneinanderreihung von Zufällen, oder Ereignissen, die gerne ein Zufall wären. Mehr möchte ich nicht spoilern 😉

Da Sitze ich nun, es ist Freitagmittag, es gibt Fisch mit Brokkoli und letzteres schmeckt mehr nach Fisch als nach grünem Gemüse. Die Romanfigur hatte heute auch Fisch – zum Abendessen. Hier gibt es aber leider keinen Brunnen, in dem ich das Essen verschwinden lassen könnte. Auch ich lese und schreibe gerne und lebe hier auf einem Berg. Wenn sich jetzt noch einer der Köche als ein Matador entlarvt, oder aus dem Nichts eine falsche Nonne auftaucht, sollte ich dem Autor auf jeden Fall einen Besuch abstatten. Während dem Essen muss ich schmunzeln, den Fisch esse ich jedoch auf. So schlimm, dass er im Mülleimer versenkt werden muss, ist er nun auch wieder nicht.

Wie kann es sein, dass ein Buch, das ich gerade lese, so viele Gemeinsamkeiten mit meiner aktuellen Situation hat? Ich weiß es nicht, und nenne es daher nur „Zufall“.

Ich schaue aus dem Fenster, lasse meinen Blick über Wald und Wiesen wandern und stelle mir die Frage, was genau das mit dem Zufall nun wirklich auf sich hat? Hier weitere Beispiele aus meinem Leben.

Eine Mitfahrerin verspätet sich, wir fahren etwas später als geplant mit meinem Auto los, und entgehen einem Unfall nur wegen ihrer Verspätung. Zufall?

Ein Mann aus meiner Stadt (es stellte sich heraus, er ist der Cousin mütterlicherseits von meinem Cousin väterlicherseits 😊) berichtete mir am Flughafengate, dass er dieses Jahr wieder denselben Mann am Gate gesehen hat, wie letztes Jahr; er ist mitgeflogen. Ich war letztes Jahr beim Hin- und Rückflug nach bzw. aus Ankara mit demselben Pärchen im Flugzeug.

Und sicher gehen Dir, liebe Leserin und lieber Leser, auch einige Beispiele durch den Kopf…

Die Frage, wie man denn den Zufall nun beschreiben kann, geht mir nicht aus dem Kopf. Was genau ist denn nun der Zufall? Ich drehe die Frage in meinem Kopf von rechts nach links, und links nach rechts. Dann beschließe ich, das Internet eingehender zu befragen. Für irgendetwas muss dieses Internet ja gut sein…

Erst versuche ich, den Blog des Frauenhoferinstitutes zu lesen, und merke gleich, dass meine Konzentration nachlässt. Gut, dann hören statt lesen…

Die Arte Doku durchleuchtet den Zufall aus wissenschaftlicher Sicht, mit der Ergebnis bin ich aber nicht ganz zufrieden.

Es ist und bleibt ein hochkomplexes Thema. Ich lass mir von den Suchmaschinen noch einige Zitate geben, um zu verstehen, dass sich die Menschen aus einer anderen Zeit, fern ab von Handys und immer verfügbarer Informationen so gedacht haben könnten… Vermutlich nur, um nicht sofort einzuknicken. Eine bissige Hobbyphilosophin halt.

Je länger ich darüber nachdenke, scheint mir das Wort Zufall keine richtige Beschreibung des Zustands sein. Es sind gerade keine Zufälle. Ob man es dann höhere mathematische Berechnungen, oder göttliche Fügung nennen will, sei jedem selbst überlassen.

PINAR

*das Titelbild KI generiert

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