Namen

Diejenigen, die die Filme „Der Vorname“ und „Der Nachname“ gesehen haben, werden vermutlich kurz schmunzeln, und sich vielleicht überlegen, ob ich an die Filme anknüpfen will.

Dem ist aber nicht so.

Der Einstieg in diesen Blogbeitrag ist schwerer als ich dachte, da es sich um ein sehr komplexes Thema handelt.

Vorname und Nachname – zwei Namen, die uns ein Leben lang prägen. Die wichtigste Rolle haben dabei unsere Eltern, die, teilweise noch bevor sie überhaupt zusammen sind, den Namen für das erste Mädchen, oder den ersten Jungen festlegen. Dann gibt es natürlich noch die Großeltern sowie Tanten und Onkel, die bei der Namensgebung mitsprechen wollen, Ideen haben und selbstverständlich jede Menge Tipps geben…

Zwischen den ersten Überlegungen und der Eintragung des Namens beim Standesamt werden sämtliche Namen vermutlich mehrfach verworfen – ein ganz normaler Prozess. Insbesondere der Vorname soll einen in frühen wie späteren Zeiten immer begleiten, so wichtig ist er.

Doch was, wenn der Name für Menschen, die einem anderen Sprachraum angehören, schwierig auszusprechen ist?

Ich beginne mit meinen persönlichen Erfahrungen, zu meinem türkischen Namen. Anders wie heute, waren unter den Kurd:innen der zentralanatolischen Dörfer der 1980er Jahre türkische Namen total cool (ich bin froh, dass ich nicht nach einer Präsidentengattin benannt wurde 😊 ).

Wie ihr wisst, habe ich einen ziemlich türkischen Vor- und Nachnamen und ich glaube, die wenigen Länder, in dem mein Name auf Anhieb richtig ausgesprochen wird, sind die türkischsprachigen Länder. Nicht mal die Kurd:innen aus anderen Teilen Kurdistans können meinen Namen richtig aussprechen, weil die Kombination Pı nicht gängig ist. Und so wird aus Pınar gerne mal ein Bınaar oder Benar.

In Deutschland gibt es den Buchstaben ı nicht, was zur Folge hat, dass man mich mit Pinar, Pini, Pina anspricht.  Dabei kann ich meinen Mitmenschen in Deutschland nicht mal den Vorwurf machen, dass sie den Vornamen absichtlich falsch aussprechen. Wie auch… den Buchstaben gibt es ja nicht. Dennoch haben es gerade in den letzten Jahren einige meiner Freund:innen und Kolleg:innen geschafft, meinen Vornamen fast richtig auszusprechen.

Für mich ein unvorstellbar tolles Gefühl! Liebe Leserin und lieber Leser, an dieser Stelle wird sich sicher ein großes Fragezeichen in Dir aufgetan haben. Es war nämlich nicht immer so, dass Vor- und Nachnamen in der jeweiligen Sprache ausgesprochen wurden. Noch seltener kam es vor, dass sich unsere Mitmenschen auch um die richtige Aussprache bemühten.

Bis ich zur Berufsoberschule für Sozialwesen nach München zog, lebte ich in dem Wissen und Glauben, dass mein schwieriger Nachname daran schuld ist, dass meine Mitmenschen diesen nicht richtig aussprechen konnten. Dabei ist es eigentlich so einfach –UTSCHAR.

Ich muss es noch einmal betonnen: Bis dahin dachte ich immer, dass es an der Schwierigkeit des Namens liegt. Die überwiegende Zahl der Mitschüler:innen und Lehrer:innen (Grund- bis Berufsschule) sprach ihn einfach UKAR aus und niemand fragte nach der richtigen Aussprache. Im Gegenteil, mein Nachname wurde ins Lächerliche gezogen.

So wuchs ich lange in dem Wissen auf, dass die Kombination dieses Namens einfach doof ist. Unaussprechbar für alle, die nicht aus dem türkischsprachigen Raum kamen.

Dann, viel später, kam die Wende – einige Lehrer:innen der Berufsoberschule und sogar Mitschüler:innen sprachen meinen Namen richtig aus! WHAT?! Ab dann fing ich selbst an, meinen Nachnamen richtig auszusprechen, und schon tat es mein Gegenüber auch. Hin und wieder, sprach ich auch meinen Vornamen richtig aus, und siehe da, es ging und geht immer noch 😊

Vor einigen Tagen las ich auf Instagram einen Post von einem Migranten, der das Thema „Namen Aussprechen“ ebenfalls thematisierte. Menschen aus dem französischen und englischsprachigen Raum würden auch mit richtigem Namen ausgesprochen werden, da würde man sich nicht so anstellen. Anders aber bei anderen Migrant:innengruppen bzw. Menschen mit Migrationshintergrund. Und ja, das ist absolut korrekt.

Es liegt also nicht nur dran, dass die Gesprächspartner:innen die Buchstaben nicht aussprechen können. Bei vielen Menschen liegt es vielmehr am Unwillen, dies richtig zu tun. Im kleinstädtischen Raum ist mir dies besonders aufgefallen. Zu sagen, dass es sich hier um rein deutsches „Problem“ handelt, ist nicht richtig (hierzu später).

Wir sollten uns aber auch an der eigenen Nase fassen, und uns selbst darum bemühen, unseren Namen richtig auszusprechen und unsere Mitmenschen gegebenenfalls auch korrigieren. Vor allem aber sollten wir bei unbekannten Namen auch mal fragen, wie die richtige Aussprache ist.

Warum ich das heute schreibe und thematisiere? Das Thema wurmt schon länger in mir, und ich wollte es endlich mal zur Aussprache bringen. Dann gab es noch folgende Ereignisse…

Im Frühjahr letzten Jahres stellte sich eine Kollegin auf einer betrieblichen Veranstaltung vor. Ihren Nachnamen sprach sie dabei absichtlich falsch aus, weil der türkische Name ja sehr schwer auszusprechen sei. Irgendetwas hat mich hieran derart gestört, dass ich ihr später beim gemeinsamen Mittagessen erklärte, dass wir ja auch ein wenig selbst schuld sind. Würden wir uns richtig vorstellen, würde sich der gegenüberstehende Mensch ja auch Gedanken über eine richtige Aussprache machen. Sie muss wohl auch darüber nachgedacht haben, denn wenige Tage später auf einer anderne Veranstaltung sprach sie ihren Nachnamen richtig aus. Mir wurde richtig warm ums Herz 😊

Ich bin mir sicher, dass sich mein Großvater, als er damals als junger Gastarbeiter nach Deutschland kam, mit korrektem Namen (Hüseyin Uçar) vorgestellt hat. Ich kann mir auch vorstellen, dass die damaligen Beamt:innen Schwierigkeiten bei der korrekten Aussprache hatten und aus dem Buchstaben ç ein c gemacht haben. Und ich denke, dass er vermutlich spätestens nach dem dritten Behördengang resigniert hat, und sich fortan mit Ukar vorgestellt hat.

Hier noch drei Beispiele aus meinem Alltag 😊

Den Namen Buchstabieren… Ganz schwierig. Mir passiert es immer wieder, dass ich falsch verstanden werde, und das ç (tsch) als Utschneider verstanden wird. Keine Ahnung, woher das Schneider kommt. Neulich in der Buchhandlung hat eine Mitarbeiterin C wie Cäsar mit Z geschrieben. Jo, Zäsar wird sich freuen 😉

Den Namen meiner chinesischen Kollegin kann ich immer noch nicht richtig aussprechen. Ich gebe mein Bestes, die im deutschen, kurdischen und türkischen nicht vorhandenen Buchstaben richtig auszusprechen – und wenn ich noch hundert weitere Versuche brauche.

Mein Cousin, der in den Niederlanden lebt, hat ebenfalls einen etwas schwierigen Nachnamen mit mehreren Üs und einem c (im Türkischen wird das c als dsch ausgesprochen). Er erzählte eine Geschichte, die er vor Gericht erlebt hat, und ganz nebenbei sprach er seinen Namen mit K aus. Ich kuckte etwas verdutzt und fragte ihn, wieso er seinen Namen denn vor Gericht falsch ausspreche und er meinte, dass die Niederländer das ja nicht richtig aussprechen können. Dann versuchte ich ihm oben genanntes zu erklären. Ich bin gespannt, ob er sich nunmehr vor Gericht mit richtigem Namen vorstellt. Als Anwalt sollte er es zumindest mal versuchen 😊

Wie sind eure Erfahrungen? Teilt sie gerne mit mir und den Leserinnen und Lesern!

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