Über den Frühling und seine Begleiter

Es ist Frühling – endlich. Dieses Jahr überraschen mich die zu warmen Temperaturen für Anfang März besonders. Dabei habe ich mich nach dem langen, kalten Winter ja besonders darauf gefreut. Sehnsüchtig habe ich auf den Frühling gewartet und jetzt, wo er da ist, fühlt er sich seltsam an. Wie ein Gast, den man erst Stunden später erwartet.

Natürlich freue ich mich über die vielen Farben und Düfte der blühenden Sträucher, Bäume und ersten Blumen. Vor ein paar Tagen stand ich vor einem blühenden Strauch und inhalierte regelrecht den frischen Duft. Ganz zu schweigen von den Sonnenstrahlen, die eine ganz andere Wirkung haben, als Regenwetter oder das schlichte Grau.

Trotz aller Schönheit des Frühlings ist dieses Jahr etwas anders. Vielleicht geht es vielen Menschen so, wie mir. Der Winter war zu lange zu kalt, und die Nachrichten, die in diesem Zeitraum auf die Welt prasselten, haben die Schwere nur verstärkt.

Da sind die nicht endenden Kriege. Solche, die vor Jahren begonnen und haben, und andere, die gerade erst angefangen haben. Allen gemeinsam ist, dass sie so schnell kein Ende zu finden scheinen. Und noch eines haben sie gemeinsam. Deren Staatsoberhäupter können tun, wonach ihnen gerade ist. Kein entschiedener Widerstand anderer Staatengemeinschaften – somit gehört das Völkerrecht dann wohl der Vergangenheit an.

Söldner gibt es fast überall für wenig Geld zu kaufen, denn irgendwo gibt es immer jemanden der (schnelles) Geld braucht. Zum Beispiel um die Familie zu ernähren. So führen Menschen Kriege, die keinerlei Bezug zu ihren Heimatländern haben. Fremde Menschen führen für fremde Kräfte noch fremdere Kriege.

Dann gibt es noch das Strafrecht, dass in manchen Fällen dann keine Anwendung findet, wenn die Täter:innen über genügend Geld oder eine sonstige hochwertige gesellschaftliche Stellung verfügen. Strafrecht nur für Geringverdienende und den Mittelstand, ist der erste Gedanke, der einem kommt.

Bei so viel Chaos da Draußen, fehlt mir die Muße, etwas Schönes zu schreiben. Und dass, obwohl meine eigene Welt gerade heil ist. Ich könnte jetzt natürlich so tun, als ob das alles nicht so wirklich schlimm ist, mir eine rosarote Brille aufsetzen, und im Dschungel der sozialen Medien versinken. Dopamin-Druckbeladung (wenn es das Wort denn gibt). Alternativ könnte ich mich Glücklich-Shoppen gehen und damit alles für einen kurzen Moment vergessen.

Oder aber, ich mache mir klar, dass ich in einem (noch) sicheren Land lebe, ein Dach über dem Kopf, und genug Geld für Essen und Trinken habe. In einigen Regionen der Welt ist das gerade nicht so der Fall. Das Gefühl des sich sicher und geborgen Fühlens verdrängt nicht das Mitfühlen und die Sensibilität für die Verletzlichkeit anderer.

Dann fällt mir ein, dass ja Weltfrauentag ist. Interessanterweise hört man immer wieder, dass es den Tag ja gar nicht mehr bräuchte. Eine ermüdende Diskussion, die ich längst aufgegeben habe. Absurd, wird es dann, wenn die Aussage von einer Frau stammt. Rollst Du innerlich auch mit den Augen oder kriegst Du schon einen Puls?

Nun denn, die Sonne scheint, der Frühling ist da, und zeigt sich von seiner besten Seite. Ehe Frost und Regen mir die Laune vermiesen, mache ich mich fertig und gehe in die Stadt. Bereit, mir die Stände zum Weltfrauentag anzusehen, Flyer mitzunehmen und mit einem Kaffee in der Sonne zu sitzen. Man nenne es feministische Druckbetankung. Für einen kurzen Moment den Wahnsinn in der Welt auszublenden. Nur ein kurzer Moment…

Pınar

Posted in

Hinterlasse einen Kommentar